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Qatar?! – Fussballkultur – alles andere ist Public Viewing

Warum zeigen wir die WM 2022?

Unser Qatar-Manifest

Wir beschäftigen uns schon Jahren mit dem Austragungsort der nächsten WM in Qatar. Das Resultat dieser intensiven Auseinandersetzung ist u.A. unser Positionspapier.

Wir lehnen einen Boykott von Qatar 2022 ab. Der würde nur die fortschrittsfeindlichen  konservativen Kräfte im Nahen Osten stärken. Eine Reihe von Gründen für unseren Entscheid.

Wirtschaft
Seinen Reichtum verdankt Qatar dem Rohstoffhandel: Das Land verfügt über die grössten Erdgasvorräte weltweit. Schon lange werden Wachstum und wirtschaftliche Nachhaltigkeit im Emirat über Sportevents gesucht und gefördert. In Doha haben schon Leichtathletik-, Handball-, Box- und Schwimmweltmeisterschaften stattgefunden. Der Tenniszirkus sowie Formel-1-, Motorrad- und Radsport-Veranstaltungen sind regelmässig zu Gast.

Dynamik
Nach der Unabhängigkeit von Grossbritannien vor 50 Jahren lebten im Emirat Qatar knapp 100 000 Menschen. Heute sind es 2,7 Millionen, wovon allerdings nur 10 % Qatari sind. Damit wächst die qatarische Bevölkerung so schell wie weltweit keine andere. Und das auf einem kaum mehr als 175 km langen und 75 km breiten Sand­streifen.

Stadien
Der Bau von Stadien für Grossanlässe ist grundsätzlich fragwürdig. Soll aber eine Fussball-WM nach aktuellen Gepflogenheiten nur in bereits bestehenden Stadien gespielt werden, kämen dafür noch die Veranstalter aus England, Deutschland und Frankreich in Frage. Wollen wir das wirklich, wir Westeuropäer?

Jahreszeit
Die Fans in Brasililen, Argentinien, Uruguay & Co. freuen sich, dass die WM auch einmal im Sommer stattfindet. Das gönnen wir ihnen!

Ökologie
Die Fussball-WM 2022 wird das erste Turnier mit dem Siegel der Klimaneutralität: Klimaschädigende Massnahmen werden kompensiert. Dabei helfen auch die kurzen Wege in dieser «Stadtmeisterschaft». So wird die Schweizer Nationalmannschaft diesmal nur 11 000 km fliegen (Zürich – Doha retour). An der EM 2021 waren es mehr als 25 000 km.

Menschenrechte
Qatar hat das im ganzen Nahen Osten verbreitete System der Kafala abgeschafft, das Arbeiter:innen an die Arbeitgeber bindet – als direkte Folge des öffentlichen Drucks nach der Vergabe der WM. Die oft kolportierte Zahl von 6500 toten Arbeitsmigrant:innen hat ihren Ursprung in einem Artikel des «Guardian», der diese Zahl für den Zeitraum von 2011 (Vergabe der WM) bis 2021 recherchierte (hier nachzulesen). Im selben Artikel wird die Zahl der Toten in Unfällen beim Bau der Stadien mit 37 angegeben. Noch lange ist diesbezüglich nicht alles gut. Aber Veränderungen sind greifbar, Verbesserungen sichtbar. Und: Qatar ist das einzige Land des Nahen Ostens mit Medienfreiheit (Al Jazeera).

Vielfalt
Auch die LGBTIQ-Community ist am Turnier willkommen, ebenso die Regenbogenfahne. Aber Qatar ist «ein sittsames Land», wie es der Emir formuliert: Keine Küsse in der Öffentlichkeit. Das gilt für jede sexuelle Orientierung.

Doppelmoral
Bei aller berechtigten Kritik: Wieso werden im Fussball gern (eurozentrische…) Massstäbe angelegt, die wirtschaftlich kaum eine Rolle spielen? Erdgas aus Qatar ist okay, während Fussball boykottiert werden soll? Die Regeln des internationalen Fussballs werden von der FIFA gemacht. Nirgends werden sie so exzessiv ausgereizt wie im europäischen Markt der UEFA. Und die einzige nachweislich gekaufte WM in diesem Jahrhundert hat in Deutschland stattgefunden.

Öffentlichkeit
Wir sind überzeugt, dass es wichtig ist, Öffentlichkeit herzustellen und hinzuschauen. Als Partner von Amnesty International und Unia werden wir in den Fussballdepot-Talks Themen aufnehmen und auch kontrovers diskutieren. Übrigens: Im Fussballdepot ist wie immer jede:r willkommen. Der Verein fussballkultur.ch engagiert sich seit mehr als 10 Jahren gegen jegliche Diskriminierung und für Gleichstellung. Auf und neben dem Fussballplatz.

Es gibt viele gute Gründe, die Auswüchse des globalisierten Fussballs abzulehnen. Qatar ist keiner davon. Denn die Begeisterung für Fussball ist dort genau so gross wie bei uns.

Diese Auseinandersetzung ist nicht abgeschlossen, und sie wird auch in unserem Fussballdepot Deutweg 2022 ihren Platz haben. So wie wir seit unserer Gründung vor 15 Jahren konsequent (auch problematische) Entwicklungen im Fussball thematisieren (Homophobie, Frauenfussball etc. …).

Das Fussballdepot in der Öffentlichkeit

Live-Talk im Alten Busdepot: Quo vadis Qatar?!
Es ist nicht übertrieben, wenn wir vom Verein fussballkultur.ch festhalten, dass mit dem Talk zu Qatar unsere jahrelange, intensive Auseinandersetzung mit dem Thema einen fulminanten Abschluss gefunden hat – der gleichzeitig den Kickoff für das Fussballdepot 2022 bedeutet. Auch dort wird das Thema Qatar präsent sein, aber noch mehr die arabische Welt generell – in der Erscheinung unserer Halle, in der Küche und auch im Rahmenprogramm/Musik.

Die Talkveranstaltung war enorm spannend, informativ und abwechslungsreich, was ausschliesslich der Aufstellung (Etrit Hasler, Rita Schiavi/UNiA-BHI, Guido Tognoni, Natalie Wenger/Amnesty, Lorenz Nydegger/fussballkultur.ch) und der guten Leistung der Unparteiischen (Nicole Meier, SDA) zu verdanken ist. In knapp 45 Minuten wurde es kaum ein Argument für und wider Qatar ausgelassen, sodass sowohl die Menschenrechtsaktivist:innen wie auch die Hardcore-Fans im Publikum einen wesentlichen Erkenntnisgewinn verzeichneten.

(Bild: Landbote, Madeleine Schoder)
Hier geht’s zum Artikel des «Landbote»